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Schluckstörung? - Das Dysphagiezentrum kann helfen

14.02.2018 13:06 Uhr

Klinik und Logopädische Praxis arbeiten eng zusammen

Essen und Trinken ist lebenswichtig und bedeutet im Alltag vor allem Lebensqualität. Wenn Speisen oder Getränke nicht mehr ohne Gefahr geschluckt werden können, zeigt sich eine Bedrohung unserer Gesundheit und somit auch direkt eine erhebliche Einschränkung der Genussfreude. Patienten mit einer Schluckstörung, die eine sogenannten Dysphagie haben, können schwer beeinträchtigt sein, wenn sie keine Freude mehr am Essen oder Angst vor dem Schlucken haben.

 

Wenn der Schluckakt krankhaft verändert ist, nennt man dies eine Dysphagie. Essen und Trinken wird zu einem ernsten Problem. In schweren Fällen, z.B. nach einem Schlaganfall oder nach einem Schädel-Hirn-Trauma, aber auch bei Kindern mit Mehrfachbehinderung, kann selbst der eigene Speichel nicht mehr sicher geschluckt werden. Dann können ernsthafte gesundheitliche Probleme wie Gewichtsabnahme, Mangelerscheinungen oder Lungenentzündung auftreten. Bei manchen Patienten ist eine Ernährung nur noch mittels einer Magensonde möglich.

 

Um eine Therapie in die Wege leiten zu können, ist es wichtig, eine Dysphagie richtig zu erkennen. Mögliche Zeichen einer Dysphagie können sein: häufiges Husten oder Verschlucken während der Mahlzeiten, Atemnot während oder nach dem Essen oder Trinken oder brodelnder Stimmklang. Auch ein Druckgefühl im Hals nach oder während des Schluckens, ein Gefühl von Speiseresten oder ein Würgereiz während des Schluckens können Alarmsignale sein. Auch bei vermehrtem Speichelfluss, Restebildung im Mund, Austritt von Nahrung aus der Nase sowie ein nasaler Stimmklang oder Heiserkeit kann in extremen Fällen die Nahrungsaufnahme erschwert sein. Unerklärliche Fieberschübe können auf eine Lungenentzündung hinweisen.

 

Eine rechtzeitige gründliche Diagnostik und Behandlung einer Dysphagie ist deshalb wichtig. Schon seit Jahren arbeitet das Dysphagiezentrum der Logopädischen Konsiliarpraxis Martina Kuhn eng mit der RKH Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal zusammen und hat sich auf diese Patientengruppe spezialisiert. Es bietet verschiedene Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten an, um Patienten mit Schluckstörungen stationär oder auch ambulant zu versorgen. Hierfür steht ein interdisziplinäres Team aus verschiedenen Ärzten, u.a. Radiologen, Gastroenterologen und Internisten, Neurologen und dem logopädischen Team zur Verfügung.

 

Ab Januar 2018 bietet das neu aufgestellte Team (koordiniert von Christina Aere-Kritter, akademische Sprachtherapeutin, M.Sc., SLP (C)), Harma Witscher-Hoving (Dipl. Logopädin, NL) und Martina Kuhn (Logopädin) in der Ambulanz nun deutlich mehr apparative Kapazität bei komplexen Dysphagien an. Neben der ambulanten apparativen Diagnostik mittels Videofluoroskopie, einer Röntgenschluckuntersuchung, in Zusammenarbeit mit dem Institut für bildgebende Diagnostik und interventionelle Radiologie, geführt vom Ärztlichen Direktor Dr. Karl-Heinz Simon, Oberarzt Dr. Klaus Martin und dem radiologischen Team und FEES, einer stationär durchgeführten fiberendoskopischen Untersuchung in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Tom M. Ganten und den Oberärzten Dr. Hans-Georg Bär und Dr. Monika Nagy von der Klinik für Gastroenterologie, Hämato-Onkologie, Pneumologie, Infektiologie und Intensivmedizin. Das Expertenteam bietet zudem auch eine Sprechstunde für Patienten mit komplex-chronischen Dysphagien (mit z.B. PEG und Trachealkanülen) unter der Leitung von Harma Witscher-Hoving und Christina Aere-Kritter an.

 

Bei der Videofluoroskopie wird der Schluckakt mittels Durchleuchtung beobachtet und gefilmt. In der Regel werden verschiedene Konsistenzen wie flüssig, breiig oder fest und verschieden Mengen getestet. Damit die verabreichte Menge an Flüssigkeit, breiige oder feste Nahrung im Mund in der Aufnahme erkennbar wird, muss sie mit einem Kontrastmittel vermischt werden. Mit der Videofluoroskopie kann in der Radiologie der gesamte Schluckablauf vom Mund bis in den Magen abgebildet werden.

 

Bei der fiberendoskopischen Schluckuntersuchung, abgekürzt FEES, wird ein dünnes, flexibles Endoskop durch die Nase eingeführt. Auch hier werden verschiedenen Mengen an Flüssigkeit, Brei oder feste Nahrung getestet, allerdings mit einem grünen oder blauen Farbmittel anstatt mit Kontrastmittel. Mit dieser Untersuchung hat man einen genauen Blick auf die Stimmbänder oder den oberen Kehlkopf. Derzeit bietet das Dysphagieteam die FEES Untersuchung nur für stationäre Patienten an. In beiden Fällen kann man dabei das Einschätzen des Schwergrades der Dysphagie feststellen, eine genaue Beschreibung der Auffälligkeiten beim Schlucken mit deren Ursachen festhalten, gegebenenfalls die Entwicklung und Überprüfung von therapeutischen Schritten besser planen.

 

Die RKH Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal bietet als weitere diagnostische Möglichkeit, um Schluckstörungen in der Speiseröhre zu erkennen, neben der endoskopischen Diagnostik die hochauflösende Manometrie (Druckmessung in der Speiseröhre) an. Diese wird nicht nur bei Schluckstörungen, sondern auch bei Brustschmerzen durchgeführt, die nicht durch Herzerkrankungen bedingt sind. Die Durchführung erfolgt in der Gastroenterologie der Fürst-Stirum-Klinik. Bei der Manometrie wird nach Betäuben der Nasenschleimhaut mit einem Lokalanästhetikum eine dünne Sonde durch die Nasenöffnung über den Rachen bis in die Speiseröhre und in den Magen vorgeschoben. Bei dem anschließenden zehnminütigen Untersuchungsablauf schluckt der Patient mehrfach Wasser, damit der Druck an insgesamt 400 Punkten in der Speiseröhre gemessen werden kann. Auch eine Säurebelastung der Speiseröhre kann zu einer Schluckerschwernis führen, weshalb zusätzlich eine weitere diagnostische Maßnahme zur Verfügung steht, die sogenannte Langzeit-pH-Metrie mit Impedanzmessung. Hierbei wird nicht nur über einen Zeitraum von 24 Stunden der Rückfluss der Magensäure in die Speiseröhre gemessen, sondern auch die Qualität des Rückflusses erfasst, d.h. es werden flüssige und gasförmige Bolusbewegungen in der Speiseröhre erkannt, unabhängig von der Flussrichtung, der Konsistenz und des ph-Wertes. Hierzu wird ebenfalls eine sehr dünne Sonde durch die Nase über den Rachen bis in die Speiseröhre und in den Magen vorgeschoben. Der Patient kann während der Messzeit von 24 Stunden seine gewohnten Aktivitäten und Ernährungsweise fortführen.

 

Gemäß der Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften gilt: "Vor der Entscheidung zur oralen Nahrungs- bzw. Flüssigkeitszufuhr soll mittels Videofluoroskopie oder Endoskopie überprüft werden, bei welcher Konsistenz (z. B. dünn, dick, ultradick) ein sicheres Schlucken (ohne Eindringen von Nahrung in die Luftwege) möglich ist."

 

Durch die Zusammenarbeit der RKH Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal mit der Logopädischen Praxis Martina Kuhn besteht – in diesem Umfang einmalig in der Region - die erweiterte und notwendige Möglichkeit, Schluckstörungen im Alltag besser zu diagnostizieren und zu therapieren. Dieses Angebot richtet sich ab Januar 2018 sowohl an Erwachsene, als auch an Kinder ab etwa zwei Jahren, die teils in der Lage sind, zu sitzen, z.B. mit Mehrfachbehinderungen, Trachealkanülen oder bereits liegenden Magensonden. Damit wird eine optimale Versorgung in einem größeren regionalen Umkreis gewährleistet.

 

Das Team steht Patienten und Angehörigen mit seiner Beratung und wissenschaftlichen Expertise mit langjähriger Erfahrung bei Bedarf gerne zur Verfügung. Ansprechpartner ist die Logopädische Praxis Martina Kuhn, Telefon 07251- 724944 oder das Institut für bildgebende Diagnostik und interventionelle Radiologoie in der RKH Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal, Telefon 07251-708-57610.

 

Die RKH Fürst-Stirum-Klinik Bruchsal gehört zur Kliniken des Landkreises Karlsruhe gGmbH und ist ein Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg. Die Klinik bietet als Haus der Grund- und Regelversorgung mit acht Fachabteilungen und einem Institut medizinische Versorgung auf hohem Niveau. Die Logopädische Praxis Martina Kuhn ist seit 2004 unter dem Dach der Klinik angesiedelt. Die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Klinik wurde im Lauf der Jahre immer mehr intensiviert.



Pressesprecher

Alexander Tsongas
Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation und Marketing
Posilipostraße 4
71640 Ludwigsburg

E-Mail: alexander.tsongas(at)verbund-rkh.de